Björn Wiinblad

Phillipp Rosenthal – Ein Zusammentreffen mit Folgen

Als Phillipp Rosenthal 1957 auf einer Fahrt durch Jütland in ein kleines Geschäft kam, sah ich dort Keramiken von einem mir unbekannten Künstler. Ich war begeistert von dieser Überziehung einer ganzen Fläche mit Ornamenten, die zwar aufgelöst und auch persönlich waren, aber nie den Zusammenhalt mit der Fläche und der Form verloren. Ich fragte nach der Adresse des Entwerfers und suchte ihn umgehend auf. Dieser Mann war Björn Wiinblad. Aus diesem spontanen Kontakt wuchs eine lange und fruchtbare Zusammenarbeit, die bis heute nicht aufgehört hat, immer wieder Neues hervorzubringen. Björn Wiinblad, einer der ca. 100 Künstler und Designer, die für die Rosenthal Studio Line arbeiten.

Der dänische Keramiker Björn Wiinblad in Kongens Lyngby bei Kobenhagen gehörte zu den vielseitigsten Künstlern unserer Zeit. Er gegann als Maler, erregte aber mit seinen unverwechselbaren, fantasievollen Keramiken internationales Aufsehen. Wiinblad packte viele Dinge gleichzeitig an. Neben der Keramik brachten ihm Plakate, Bühnenbilder, Buchillustrationen, Glas-Porzellan und Silber Arbeiten Erfolg. In Deutschland ist Wiinblad vor allem durch seine Entwürfe für Rosenthal bekannt.

Björn Wiinblad ist ein Künstler, der seinen Wirkungskreis auf der ganzen Welt fand. Arbeits- und Privatspäre trennt er nicht. Er lebte, wo er arbeitete und er arbeitete wo er lebte. Zentrum seines Schaffens waren das Blaue Haus. Hier zeigt sich am deutlichsten, dass alle Entwürfe aus seiner Lebensart entstanden. Er entwarf sich seine eigene oft märchenhafte schöne Welt.

Die Romanze

Die Rosenthal Form Romanze von Björn Wiinblad ist inzwischen Die Romanze. Jeder Kenner guten, zeitgenössischen Porzellans kennt diese Form. Wenige jedoch wissen, dass Wiinblad zu diesem Service auch das passende Besteck schuf. Beim Besteck gibt es mehrere Ausführungen – von versilbert, massiv Silber bis zu vergoldet. Jedes Besteckteil trägt das berühmte Romanze-Relief. Wie Strohhalme muten die schlanken Stiele der sensiblen, mundgeblassenen Romanze Gläser an. Das Relief überzieht wie Webwerk die schlanken, hohen Kelche.

Bühnenbild und Kostüme

Im Jahr 1965 schrieb Björn Wiinblad aus USA an Phillipp Rosenthal:

Lieber Phillipp,

ich freue mich zu hören, dass Du eventuell in Amerika bist, wenn ich die Eröffnung von Sturm habe. Ich habe niemals zuvor so viele Gedanken und so viel harte Arbeit in eine einzige Sache gelegt, aber jeder hier am Theater arbeit mit solcher Begeisterung, um mir zu helfen. Wir haben grosse Probleme mit der Musik, die ich mit einem dänischen Komponisten gemacht habe, und wir haben einige Probleme mit der sogenannten Kostümierung, da wir noch keine wirkliche Konzeption dafür haben. Aber ich habe Hunderte und Hunderte sehr hübscher Skizzen gemacht, und entweder wird es wundervoll oder es wird schrecklich!

Der Applaus nach der Premiere von Shakespeares Sturm in Dallas galt nicht allein den Schauspielern. Er galt vor allem auch den Kostümen und dem Bühnenbild von Björn Wiinblad. Zu Wiinblad jüngsten Arbeiten auf diesem Gebiet zählen die Kostüm Entwürfe für Ludwig Holbergs Don Ranudo. Diese Entwürfe zeigen, dass Wiinblad immer wieder andersartig arbeiten kann und doch immer seine Handschrift, die ihn so bekannt gemacht hat, behält.

Der dänische Journalist Martin Hartung charakterisierte Wiinblads Zeichnungen und Illustrationen folgendermaßen: Das beste Beispiel für Wiinblads Ausdrucksform ist das bevorzugte Figurenmotiv: die Dame mit der spitzen Nase und den runden Wangen und dem schmollenden Mund, die wieder und wieder in seinen Kompositionen auftritt. Man beachte, dass sie immer in einer anderen Variation auftaucht, sie wird ewig verändert. Was ist es eigentlich, dass so unmittelbar die Aufmerksamkeit des Beschauers aufsichzieht?

Im konventionellen Sinn ist sie weder besonders schön noch sehr charmant, sie wirkt weder kokett noch erotisch. Ihre Anziehungskraft – übrigens auf Männer und Frauen gleichermassen – mag darin liegen, dass sie all das universelle und speziell mädchenhafte ausdrückt, welches wir all so gut kennen, aber was keiner richtig definieren kann. Die zahlreichen Versionen der Dame mit der spitzen Nase ist das Kennzeichen für Björn Wiinblad gesamte, enorm vielseitige Produktion, die in ihrer Gesamtheit mit dem Konsequenten Streben charakterisiert werden kann, den Alltag zu einem sorglosen Fest zu gestalten und die Arbeit zu einem unbekümmerten Spiel. Wiinblad hat auch immer wieder Illustrationen auf Porzellan oder Keramik gemacht. Beispiele in der Rosenthal Studio Line sind Die Zauberflöte, der Dekor Serenade auf der Form Polygon und der Dekor Till Eulenspiegel.