Arzberg Hohenberg

Hohenberg-Arzberg

Die Gründungsdaten der Hohenberg-Arzberger Porzellanfabriken

1989 treffen 175 Jahre Porzellanfabrik C.M. Hutschenreuther in Hohenberg und 150 Jahre Porzellanindustrie in Arzberg zusammen. Die für dieses „historisches Ereignis“ massgeblichen Vorgänge verdienen es, an Hand von archivalischen Belegen (vorallem aus den Akten K3-F VIa Nr. 3810-3812 im Staatsarchiv Bamberg) zusammengefasst zu werden. Ist doch die damit verbundene Entwicklung zu einem entscheidenden Umstand für unsere ganze Gegend geworden.

Mit einer Romanze fing es an: Am 22. Dezember 1816 heiratete der 22jährige Carl Magnus Hutschenreuther, „Porcelainmahler und angehender Porcellain-Fabricant zu Hohenberg“ (so die Bezeichnung im Traubuch der Pfarrerei Hohenberg) die älteste Tochter des Hohenberger Försters Ludwig Ernst Reuß. Die Überlieferung des Hauses Hutschenreuther hält fest: „Mit Genehmigung der obersten staatlichen Behörde stellt ihm (C.H.M.) sein Schwiegervater im Jahre 1814 Räume in seiner Dienstwohnung im Schlosse zur Verfügung, in denen die ersten Anfänge der Porzellanfabrikation stattfand“.

Quelle

nach Wilhelm Vershofen, Tat und Vorbild, 125 Jahre C.M. Hutschenreuther Hohenberg 1814-1939, Bamberg, S. 9).

In einer gemeinsamen Eingabe von 10. September 1816 suchen „die Porcelainfabricanten Carl Magnus Hutschenreuther von Wallendorf im Coburgischen und Christian Paul Aecker zu Seußen, Landgerichts Wunsiedel“ über das für Hohenberg zuständige Landgericht Selb beim General-Commissariat des Mainkreises d.h. beim Vorläufer der Regierung von Oberfranken, um Erlaubnis zur Errichtung einer Porzellanfabrik in Hohenberg nach. (Der damals 30 Jahre alte Christian Paul Aecker war durch Heirat mit einer Tochter des in den erblichen Adelsstand erhobenen Försters v. Reiz zum reichbegüterten Gutsbesitzer in Seußen geworden). Die Regierung verlangt am 19. September 1816 Nachweise über die Qualifikation beider Antragsteller und fragt auch an, ob nur Porzellan oder auch Steingut und Fayence fabriziert werden soll. Ein halbes Jahr später (am 27. März 1817) legt die Regierung in Bayreuth den Gesuchstellern nahe, ihren Antrag zurück zuziehen, weil wenig Aussicht auf Erfolg ihres Unternehmens bestehe.

Am 20.Juni 1817 richtet C.M. Hutschenreuther über das Landgericht Selb ein neues Gesuch an die Regierung. Er ist entschlossen die vorhandene kleine Betriebsanlage (im Schloss Hohenberg) „ohne einem Compagnon, nur mit Hilfe einiger Tagelöhner“ weiterzuführen. Die Regierung leitet das Gesuch am 3. Juli 1817 befürwortend an das Innenministerium in München weiter. Bevor das Ministerium Stellung nimmt, verlangt es am 13. August 1817 eine Befähigungsprüfung des Antragstellers. Noch vor Jahresende ( am 4. Dezember 1817) beantragt die Regierung in Bayreuth beim Innenministerium wenigstens die „bedingte Erlaubnis“ zur Errichtung einer Porzellanfabrik in Hohenberg. Das Ministerium reagiert am 20. Februar 1818 mit einer „unbedingt ausgesprochenen Abweisung“.

Hans Theo Baumann wurde 1924vin Basel geboren und studierte von 1946-50 Malerei, Bildhauerei, Grafik, Innenarchitektur an der Gewerbeschule in Basel u. a. bei H. Müller und W. Bodmer. 1946/47 begann Baumann eine Lehre als Glasmaler und 1950 folgte die Gründung eines Designstudios in Schopfheim. Im Jahre 1959 war Baumann Mitbegründer des Verbandes Deutscher Industrie-Designer und erster Präsident des Verbandes bis 1961.

Seit 1983 Lehrtätigkeit an der Hochschule der Künste in Berlin und seit 1985 Honorarprofessor – Entwürfe u. a. für Rosenthal, KPM Berlin und Arzberg. Baumann erhielt zahlreiche internationale Designpreise. Von 1976 bis 1982 arbeitete er in der Manufaktur Karlsruher Majolika und entwarf zahlreiche Gefässe, überwiegend Kleinserien. Theo Baumann lebt in Schopfheim.

Hans Theo Baumann

Im folgenden Jahr (1819) kann Hutschenreuther Terrain und Gebäude des bis dahin bestandenen Alaunwerks „auf der Freundschaft“ an der südwestlichen Peripherie von Hohenberg erwerben. Die Tätigkeit seines kleinen Teams beschränkte sich auf die Bemalung und Vertrieb von auswärts bezogenen Weißporzellan. Am 14. August 1819 unternimmt das Landgericht Selb einen neuen Vorstoß bei der Regierung und weist daraufhin, dass „von dem Gelingen oder Nichtgelingen desselben die ganze Existenz des Porcellanmahlers C.M. Hutschenreuther und seiner Familie abhienge“. Um über ein bereits vorgelegtes Attest des Magistrat zu Schleiz, wo eine Porzellanfabrik bestand, vom 10. Mai 1819 und über ein eidesstattliches Zeugnis des Porzellanmalers Stolz, bei dem Hutschenreuther gearbeitet hatte, vom 3. Juni 1819 hinaus persönliche Befähigungsnachweise erbringen zu können, ersucht das Landgericht Selb, Hutschenreuther die Erbauung eines kleinen Probeofens zu Genehmigungen, der wieder abgerissen werden könnte, „im Fall die Proben nicht genügend ausfallen sollten“. Auch diese Eingabe wird am 26. September 1819 abgewiesen, weil der vorausgehende abschlägige Bescheid von keiner weiteren Bedingung abhängig gemacht war.

Zu Anfang des Jahres 1822 richtet Hutschenreuther ein neues Konzessionsgesuch an das Landgericht Selb und gleichzeitig an die Regierung in Bayreuth. Er weist auf die von ihm seit 1816 betriebenen kostspieligen Investitionen hin und verbürgt sich, dass er mit den anderen privaten Porzellanfabriken des Obermainkreises (gemeint sind die 1782 gegründete Manufaktur in Schney) und fünf weitere Betriebe in der Gegend von Lichtenfels in keinem Wettbewerb hinsichtlich des Absatzes treten wolle. Als Produktionsproben fügt er zwei Pfeifenköpfe bei, die aus einer von ihm selbst zusammengesetzten Masse bestehen aber noch keineswegs vollwertig sind, weil es mir an den erforderlichen technischen Einrichtungen fehlt, wie er schreibt. Am 18. März 1822 fordert die Regierung ein Gutachten des Bergamtes Wunsiedel an. In der am 1. April abgegebenen Stellungnahme des Bergamtes kommt zum Ausdruck, dass Hutschenreuther bei seinen bisherigen Unternehmungen sein Vermögen von 5.000 – 6.000 Gulden zusetzte, indem er sechs Jahre lang ohne Verdienst davon leben musste, nachdem er seit 1816 um die Concession zur Erbauung einer Porzellanfabrik bei Hohenberg supppliciert (nachsucht) und jetzt sich bei Hohenberg angekauft, einen Brennofen nach verjüngtem (verkleinerten) Maßstabe gebaut, mit einer Feldspath-Erden-Grube am Steinberg beliehen (wurde), sich verheiratete und Familie hat. Am 2. Mai 1822 reicht das Bergamt „eine Probe von der bei Arzberg vorkommenden Porzellan-Erde“ nach, wo Hutschenreuther bereits ein Abbaurecht eingeräumt ist. Diese Erden-Grube befindet sich am Steinberg. Die Erde selbst kommt daselbst gegenwärtig 3 Fuß (ca. 0,9 m) mächtig vor. Neben solcher folgt Quarzsand von 8 Fuß (ca. 2,4m) Mächtigkeit. Beide werden bergmännisch mittelst Schacht und Strecken gewonnen. Der gegenwärtige Betrieb findet in 7 Lachter (ca. 14m) Teufe statt. Dieselbe Erde hat sich in früheren Eisensteingruben dieser Gegend befunden, ohne dass je Gebrauch davon gemacht worden. Am 22. August 1822 befürwortet die Regierung das Gesuch beim Innenministerium mit dem Hinweis, dass Hutschenreuther mit seiner Familie, nachdem er bereits den grösseren Theil seines Vermögens in das Unternehmen gesteckt hat, in der hülflosesten Lage sich befinden würde, wenn ihm die Konzession wieder verweigert würde.

Dr. Ing. Herman Gretsch (1895-1950) in Augsburg geboren studierte zunächst Architektur in Stuttgart, um anschliessend an der Kunstgewerbeschule in Stuttgart seine Gesellenprüfung als Keramiker abzulegen. Vom Gewerbeschulrat stieg er schliesslich 1930 zum Baurat beim Landesgewerbeamt Stuttgart auf. 1931 wurde er künstlerischer Berater der Porzellanfabrik Arzberg [1], später Vorstand des Landesgewerbemuseums und kommisarischer Leiter der Kunstgewerbeschule. Erst 1945 kehrte er wieder in seinen ursprünglichen Beruf als Architekt zurück.

Für die Entwicklung der Form 1382 erhielt Gretsch die Goldene Medaille auf der VI. Triennale in Mailand 1936 und ebenfalls die Goldene Medaille auf der Pariser Weltausstellung 1937. 1981, zum 50jährigen Bestehen der Form 1382 schrieb Klöcker, Reakteur von zeitgemässe Technik der Süddeutschen Zeitung: Wer sich mit der Arzberger Geschirrform 1382 als Ganzem, mit ihrem Teilen und Details auseinandergesetzt, wird entdecken, dass die grosszügige Geschlossenheit des Geschirrs als pure Einfachheit oder gar als Simplizität zu sehen, ein Missverständnis wäre.

Hermann Gretsch

„Auf königlich allerhöchsten Befehl“ kam am 7. November 1822 die folgende, an die Regierung des Obermainkreises gerichtete Ministerialentschliessung zustande: „Maximilian Joseph von Gottes Gnaden König von Bayern. Wir finden Uns in Folge eures gutachtlichen Berichtes vom 24ten August d.J. bewogen, die Errichtung und Betreibung einer Porzellanfabrike für Carl Magnus Hutschenreuther (so!) zu Hohenberg allergnädigst zu genehmigen, und weisen auch an, hienach das Weitere zu verfügen. Die Acten folgen zurück.“ Mit diesem vom König selbst unterzeichneten Beschluss erlangt die C.M. Hutschenreuther Fabrik ihre jahrelange erstrebte Konzession.

Die weitere Entwicklung verläuft nicht gleich stürmisch. Am 6. Dezember 1826 ersucht Hutschenreuther beim Innenministerium um Unterstützung „zwecks besserem Betrieb seiner Fabrique“ aus einem für solche Zwecke vorhandenen Fonds. Das Gesuch wird am 3. März 1827 „vorläufig“ abgelehnt. Im März 1830 ergeht ein abschlägiger Bescheid auf ein Ansuchen um verbilligten Holzbezug, wie er den in der Gegend betriebenen Eisenwerken gewahrt wird. Die Aufwärtsbewegung des Unternehmens ist an der steigenden Zahl der Beschäftigten abzulesen. Am 27. Oktober 1821 hatte der Magistrat Hohenberg bescheinigt, dass Hutschenreuther „zwei Massenarbeiter oder Dreher und drey Mahler in Arbeit habe“. In einer Erhebung aus dem Jahre 1827 über den Stand der Gewerbe in Obermainkreis wird angegeben, dass die Hohenberger Fabrik 9 Arbeiter beschäftigt; ihre Produkte (jährlich ca. 80 Zenter Porzellanwaren) würden nur im Inland abgesetzt. Am 16. Januar 1837 werden bei Hutschenreuther 40 Mitarbeiter gezählt, 1846 sind es 88 (s. Sechsämterland, S. 510).

Seit Ende 1836 muss Hutschenreuther mit Konkurrenz rechnen. Der in Hohenberg ansässige Kaufmann Johann Christoph Lorenz Aecker, einziger Sohn des Gutbesitzers Christian Paul Aecker zu Seußen, seit 1828 mit einer Hohenberger Kaufmannstochter verheiratet, ersucht am 16. November 1836 die Regierung des Obermainkreises um Genehmigung zur Errichtung einer Porzellain- und Steingutfabrik in Hohenberg. Obwohl er in Aussicht stellt, dass er kein Holz zum Brennen brauchte, weil er mit Torf und mit Kohle aus dem böhmischen Becken heizen werde, hält das Bergamt Wunsiedel den Betrieb einer zweiten Fabrik im gleichen Ort vorallem wegen Holzmangel für nicht tragbar. Schon am 6. Dezember 1836 bescheinigt das Bergamt Wunsiedel dem Fabrikbesitzer C.M. Hutschenreuther, dass derselbe seit dem Jahre 1820 in diesseitigem Beramtsrevier, namentlich am Steinberg bey Kothigen Bibersbach, bey Schirnding, gegen Arzberg und Seußen etc. vielfältige und kostspielige Bergbauversuche auf Porzellanerde, dichtem Feldspath und feinen Sand zum Betrieb seiner auf dem eingegangenen ehemaligen Alaunwerk „Freundschaft“ nahe bey Hohenberg neu etablirten Porzellanfabrik unternommen und ausgeführt habe. Am 16. Januar 1837 ersucht Hutschenreuther die Regierung in Bayreuth, ihn gegen den unerwünschten Rivalen in Schutz zu nehmen. Er weist daraufhin, dass er sich mit ausserordentlichen Aufopferungen seit 15 Jahren dem gewagten Unternehmen der Porcellain-Fabrication widmete. Dem Kaufmann Aecker fehle die persönliche Befähigung zur Erlangung der erbetenen Konzession, denn derselbe hat nicht die mindeste Kenntnis von der Porcelainfabrication und dieselbe niemals erlernt, niemals betrieben.

Das von Lorenz Hutschenreuther vor einhundertfünfzig Jahren gegründete Werk galt, dank ihrer Erzeugnisse, als ein Porzellan mit Weltruf und nahm in der damaligen gesamten Porzellanindustrie der Welt eine maßgebende Stellung ein. Heute im Jahre 2018 ist von der Lorenz Hutschenreuther A.G. und der Porzellanstadt Selb nicht mehr sehr viel übrig geblieben. Der Niedergang der Porzellanindustrie in Selb wurde bereits an anderer Stelle beschrieben (siehe Niedergang der Porzellanindustrie Selb).

Aber immer noch sind die Worte, mit denen der Gründer der Firma 1859 nach der Herstellung seines ersten fehlerlosen Porzellans einem seiner Kunden die Richtschnur für sein Denken und Handeln gewiesen hat, für das gesamte Schaffen der Lorenz Hutschenreuther A.G von verpflichtender Gültigkeit: „Reel und gerade“

Der wendige Kaufmann Johann Christoph Lorenz Aecker, zugleich auch Ziegel- und Kalkbrenner zu Markt Hohenberg, legt sich indessen ins Zeug bei der Regierung in Bayreuth, um die Konzession zur Errichtung einer Porzellan- und Steingutfabrik in dem Dorf Schirnding zu erhalten. Am 16. Januar 1838 geht das zuständige Landgericht Wunsiedel auf ein diesbezügliches Reskript der Regierung vom 21. Juni 1837 in aller Ausführlichkeit ein. Der Landrichter v. Waechter verhehlt nicht, dass er bei dem dermaligen Kampfe der Hutschenreutherischen Porcelain-fabrication mit der des Aecker das Dorf Schirnding gerne begünstigt sehen würde. Der Ort Schirnding, welcher eine gute Zahl von Taglöhnern und kleinen Handwerkerfamilien hat, sieht in der Aeckerischen Porcelain- und Steingutfabrik sein Heil. In ganz Bayern liegt kein Ort bequemer als Schirnding, um an den unermesslichen Steinkohlenvorräten im Nachbarlande Böhmen Theil zu nehmen, welche Steinkohlen in der Gegend von Zwoda, Altsattel etc. einen Reichtum verbreiten, der ungeheuer genannt werden kann. Der betriebsame Aecker habe bei Schirnding eine Braunkohlengrube eröffnet und wolle verbesserte Brennöfen nach böhmischer Art bauen. V. Waechter meint, dass Hutschenreuther qualitätsvoller produzieren könnte.

Vor mehreren Jahren, als man von diesseits der Mangelhaftigkeit der Glasur an dem Hutschenreutherischen Porcellain abzuhelfen strebte und den Hutschenreuther zu bewegen suchte, in der aerarialischen (staatlichen) Porcellain-Fabrik zu Nymphenburg sich instruiren zu lassen, war deßen Feuerungsbau noch in der Kindheit und überhaupt diese Fabrik weit zurückgeblieben hinter denen des benachbarten Böhmerlandes; inzwischen hat der ererbietigst Unterzeichnete (v. Waechter) nicht mehr Gelegenheit gehabt, die Hutschenreutherische Porcellain-Fabrication näher zu beobachten. Um nachzuweisen, dass sich keramische Brennöfen auch ohne das rar gewordene Holz schüren ließen, kann Aecker am 16. März 1838 unter Verwendung von 20 Zentnern Braunkohle und 17 Zentern Torf einen Brennversuch mit ca. 3600 Stück Porzellan und Steingut vorführen.

Anfangs Juni 1838 geht der Gemeindeverwaltung Schirnding das folgende Schreiben des Landgerichtes Wunsiedel vom 30. Mai 1838 zu: „dem Kaufmann Christoph Aecker zu Markt Hohenberg wurde in Folge des hohen Regierungsrescripts de dato Bayreuth dem 23. Mai 1838 gestattet, einen Probeofen zur Erzeugung von Porcellain und Steingut unter Anwendung von Steinkohlen als Brennmaterial im Ort Schirnding zu errichten.

Nach Anleitung der an den x. Aecker zurückgefolgten Baupläne und an dem schon ermittelten feuersicheren Platze, worauf respective wenn der Ofen fertig ist, königliches Landgericht eine Commission unter Zuziehung von Sachverständigen abordnen wird, um die zu machende Probe der Porcellain- resp. Steingut-Erzeugung mit Steinkohlenheizung zu beaufsichtigen.

Die Gemeindeverwaltung Schirnding erhaelt hievon Nachricht“. Der Probebrand „unter Augen des Gerichts“ fand am 13. Juli 1838 statt.

Spätestens seit Anfang 1838 entfaltete Johann Christoph Lorenz Aecker Aktivitäten in Arzberg, dessen Magistrat III. Klasse dem Unternehmer nicht etwa gleich volle Unterstützung anbot. In einer Sitzung am 14. Februar 1838 protestierten die 14 Gemeindebevollmächtigten geschlossen gegen die Errichtung einer Porzellanfabrik (s. Arzberger Bilderbuch, S. 248).

Binnen eines halben Jahres änderte sich diese Grundeinstellung. Am 6. Oktober 1838 bezeugte der Magistrat, dass das Ansässigmachungs- und Etablissementgesuch des Kaufmann Christoph Aecker laut Beschlusses genehmigt werde.

Bild links: Durchgang zwischen zwei Hallen (Analog Mittelformat)

Am 3. Oktober 1839 erhielt Aecker unter Bedingung in Arzberg lediglich Braunkohle, Steinkohle und Torf zu Feuerung zu verwenden, die amtliche Konzession erteilt. Das war der Geburtstag des Arzberger Porzellans (Georg Krauß), die Oberfränkische Geschichte, Hof, 1981, S. 135). Es ist kein Zufall, dass Arzberg als zweiter Gründungsort im östlichen Oberfranken gewählt wurde, blühte hier doch schon im 18. Jahrhundert das keramische Gewerbe. Arzberger Kunsthafner lieferten reich verzierte Tonöfen bis nach Frankfurt und Regensburg. Der einschlägige Akt F VIa Nr. 3867 im Staatsarchiv Bamberg enthält auch eine Zeichnung der Gesamtansicht des Aecker’schen Betriebs und harrt weitere Ausbeute von Einzelheiten.

Die folgende Entwicklung der Fabrik C.M. Hutschenreuther in Hohenberg ist in eingehenden Festschriften von 1939 und 1964 festgehalten. Als Carl Magnus 1845 im Alter von 51 Jahren starb, führten seine Witwe, dann deren zweiter Sohn Christian und zwei Schwiegersöhne den Betrieb weiter, während der ältere Sohn Lorenz 1857 eine Porzellanfabrik in Selb einrichtete. Das 1839 in Arzberg gegründete Konkurrenzunternehmen entwickelte sich nur langsam. Zu Johann Christoph Lorenz Aecker gesellte sich seit 1844 in einem Societäts- bzw. Pachtverhältnis Karl Friedrich Gottlob Strebel (geb. Pößneck 1792), gest. Arzberg 1861), der Erfahrungen aus den thüringischen Fabriken in Plössberg und Eisenberg mitbrachte. Sein Sohn Karl Otto Strebel verkaufte 1864, bevor er als Buchhalter nach Wien übersiedelte, an den jungen Johann Friedrich Bauer (geb. 1843 als Sohn eines Büttnermeisters in Arzberg). Es ist fürwahr als Ironie des Schicksals zu bezeichnen, dass aus der Konkurrenzgründung ein Schwesterbetrieb wurde, als nämlich am 1. Januar 1884 der nachmalige Kommerzienrat Carl Auvera (1856-1914), ein Enkel von Carl Magnus Hutschenreuther, das Werk erwarb, das dann 1919 in die C.M. Hutschenreuther AG eingebracht wurde. Die Aecker-, Strebel-, Bauer Fabrik stellte bevorzugt Luxusartikel und Puppenköpfe aus Porzellan her. Unter Carl Auvera wurden Pfeifenköpfe zur weltbekannten Spezialität; dann rückten Tafelgeschirr in den Vordergrund.

1881 und 1887 sind die Gründungsjahre der beiden anderen Arzberger Porzellanfabriken in die Geschichte eingegangen. „Schumann und Arzberg“ haben ihre 100. Geburtstage in angemessener Weise gefeiert. Die in diesem Jahr anstehenden Jubiläum in Hohenberg und Arzberg werden vorbereitet.

Stellungnahme des Arzberger Magistrats zur Errichtung einer Porzellanfabrik im Jahre 1838[1]

Im vorhinein kann man nicht immer wissen, wie es nachher kommt. Am 14. Februar 1838 protestierten die 14 Gemeindebevollmächtigten des damaligen Markts Arzberg geschlossen gegen die Errichtung einer Porzellanfabrik im Orte. „In der heutigen Sitzung wurde beschlossen, daß der Bau der Porzellanfabrik des Kaufmanns Äcker zu Hohenberg in unserem hiesigen Orte nicht genehmigt wird und im Fall, solches in Güte nicht zurückzubringen ist, weitere Protestation dagegen stehet“ – so heißt es im Sitzungsbericht dieses denkwürdigen Tages.

Als aber am 11. Dezember 1838 das Landgericht Wunsiedel „den Plan zum Bau der Porzellan- und Steingutfabrik des Kaufmanns Christoph Äcker, welche Fabrik derselbe zu Markt Arzberg anlegen will“, zur Beurteilung wegen Feuersgefahr übersandte, meldete der Magistrat „ehrerbietigst gehorsamst“, „daß bei Errichtung dieser Fabrik nicht die geringste Gefahr zu befürchten ist, da dieses Fabrikgebäude und insbesondere der Brennofen, ohne in Berührung mit einem Nachbarn zu kommen, ganz isoliert zu stehen kommt, somit gegen diese Fabrik-Einrichtung diesseits kein Hindernis im Wege steht.“ So kurzfristig änderten sich schon damals die Meinungen und, von damals bis heute gesehen – die Zeiten. (Aus dem Stadtarchiv Arzberg).


[1] Sechsämter Land, 7. Jg. 7.Juni 1956 Nummer 4, Seite 510