Johann Haviland

Als grösstes und bedeutendstes Industrieunternehmen zur damaligen Zeit des Marktes Waldershof konnte die Porzellanfabrik Waldershof vorm. Johann Haviland im März 1960 auf ihr 50jähriges Bestehen zurück blicken, genauer gesagt: Am 10. Mrz 1960 jährte es sich zum 50. Male, dass der erste der drei Brennöfen unter Feuer gesetzt wurde. Für die wirtschaftliche Entwicklung und den Aufschwung des Marktes Waldershof war die Errichtung dieses Unternehmens von ausschlaggebender, ja schicksalshafter Bedeu- tung. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein standen in Waldershof als wichtigster gewerblicher Erwerbszweig neben der Landwirtschaft die Tuchmacherei und Hausweberei in hoher Blüte und gaben der Einwohnerschaft wenn auch nicht allzu lohnenden so doch ausreichenden Verdienst. Als jedoch in der zweiten Jahrhun- derthälfte im Zuge der Industrialisierung die grossen Fabrikwebereien entstanden, da wer der Konkurrenzkampf mit der Maschine für die Handwerker aussichtslos gewor- den. Die Not war gross, und die Weber mussten sich um andere Erwerbsmöglichkeit- en umsehen. Diese fanden sie aber erst nach und nach, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Nordostecke Bayerns, namentlich auch in der benachbarten Stadt Marktredwitz, eine reiche Textil- und Porzellanindustrie entstand.

Wie so oft im Leben ist auch die Gründung der Porzellanfabrik Waldershof einem Zufall zu verdanken. Oberingenieur Johann Haviland, damals 24 Jahre alt, ein Sohn des Inhabers der weltberühmten Porzellanfabriken Havilland & CO. in Limoges (Südfrankreich) war als Volontär in dem Verlag der keramischen Fachzeitschrift „Der Sprechsaal“ in Coburg tätig, deren wissenschaftlich-technische Schriftleitung in den Händen des in Gera geborenen Chemikers Dr. Hermann Werner Zimmer, 40 Jahre alt, lag, der mehrere Jahre im Ausland tätig gewesen und 1901 aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika zurückgekehrt war. Die Genannten befreundeten sich und beschlossen im kollegialem und fachlichem Gedankenaustausch, der Errichtung einer Porzellanfabrik in Deutschland näherzutreten.

Auf der Suche nach einem geeigneten Gelände zur Realisierung des Projekts führte Johann Haviland der Weg auch nach Marktredwitz. Hier kam er in Verbindung mit dem Inhaber des Baugeschäftes A. W. Mühlhöfer, , Friedrich Mühlhöfer, der seinerseits Fühlung aufnahm mit dem Waldershofer Baumeister August Meyer, dem Inhaber des von ihm 1885 errichteten Dampfsägewerks, dessen Geschäftsbeziehungen über Bayerns Grenzen bis weit nach Mitteldeutschland hinein reichten. Letzterer konnte nach Vorverhandlungen mit mehreren Waldershofer Grundstücksbesitzern feststellen, dass diese einer Grundabtretung zu Industriezwecken durchaus aufgeschlossen gegenüber standen. Die daraufhin von Johann Haviland und Dr. Zimmer zusammen mit den beiden Baumeistern an Ort und Stelle geflogenen Verhandlungen führten zu festen Absprachen, wobei man sich für das südlich der Bahnstrecke Marktredwitz-Nürnberg gelegene Flurgelände in der unteren Zelch entschied.

Am 19. Juli 1907 wurde die handelsgerichtliche Eintragung der Firma Johann Haviland, Porzellanfabrik Waldershof beim Amtsgericht Waldsassen vollzogen. Die Finanzierung des Projekts war von vornherein durch das Verkaufsbüro der Limoger Fabriken Haviland & CO. in New York sichergestellt. Als Generalbevollmächtigter der neugegründeten Firma erwarb Dr. Zimmer in Zusammenarbeit mit den beiden Baumeistern Mühlhöfer und Mayer 90 Grundstücke mit einem Flächeninhalt von etwa 25 Hektar und einem Kostenaufwand von rund 70.000 Mark. Bei der Auswahl des Baugeländes, gerade in der Waldershofer Flur, hatte man die unmittelbare Nähe des Eisenbahnknotenpunktes Marktredwitz und vorallem die geringe Entfernung zu den mitteldeutschen und böhmischen Rohmaterialgruben (Kaolin) als besonders günstig angesehen.

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Limoges

Bis 1924: „John Haviland“ (s.d.). Gegründet mit französischem Kapital (Stammfirma in Limoges), daher während des Ersten Weltkriegs unter Zwangsverwaltung, danach Vermögen restituiert.

Noch in demselben Jahre erfolgte der erste Spatenstich, zunächst für das 1200 Meter lange, vom Bahnhof Waldershof nach dem Baugelände führende Industriegleis. Nach dessen Fertigstellung konnte mit dem eigentlichen Bau der Fabrikanlage begonnen werden, der sich im ersten Bauabschnitt bis in das Jahr 1910 hinein erstreckte. Bei der Erstellung der Gebäude legte man besonders Augenmerk auf Licht, Luft und Sonne sowie auf möglichst staubfreie Räumlichkeiten, weshalb die Aus- führung in Beton der Vorzug gegeben wurde. Zuerst entstanden das Kessel- und Maschinenhaus, die Massemühle und gleichzeitig das dreistöckige brennofengebäude mit drei 85 cbm grossen Rundöfen und angrenzender Tonmühle. In den oberen Stockwerken waren untergebracht Dreherei, Giesserei, Modellstube und For- mgiesserei, im Erdgeschoss neben den Brennöfen, Glasurerei und Abstauberei, Schmelze und Muffelgebäude, Schleiferei und Malerei folgten in eigenen Gebäuden. In dem Gebäude Schleiferei, das im Jahre 1911 aufgestockt wurde, wurden Büro- räume, Expedition und Lagerräume geschaffen. Sämtliche Gebäude waren durch aussenliegende Wellblechübergänge miteinander verbunden, so dass die gesamte Fabrikanlage abgegangen werden konnte, ohne den Fuss ins Freie setzen zu müssen.

Im Sommer 1909 waren einzelne Arbeitsräume soweit fertiggestellt, dass man die ersten Fabrikationsversuche unternehmen konnte. Es erfolgten die ersten Einstellun- gen von Fachpersonal: Betriebsleiter Rott mit Sohn Richard, Maschinenmeister Männl, Oberdreher Achtziger, Modelleur Weig, Modelleinrichter Hahn, Formgiesser Brunner, Buchhalter und Korrespondent Groh sowie Porzellanfacharbeiter aus der Arzberger Gegend. Sie alle, mit Ausnahme von Direktor a.D. Hans Groh, dem der Verfasser wesentliche Angaben zu diesem Aufsatz verdankt, sind längst nicht mehr unter den Lebenden. Anfangs 1910 war die Belegschaft bereits auf 120 Köpfe angestiegen. Da durch den Zuzug der auswärtigen Fachkräfte der Wohnungsbedarf im Markt Waldershof nicht gedeckt werden konnte und sich die Notwendigkeit ergab, zweckentsprechende und gesunde Wohnungen zu schaffen, wurde auf Anregung von Direktor Dr. Zimmer mit Unterstützung der Fabrik der Bauverein zu Waldershof e.G. ins Leben gerufen und damit der Grundstein zum Entstehen des Ortsteils Kolonie

gelegt. Am 10. Mrz 1910 war es dann soweit, dass der erste Brennofen angezündet werden konnte. Nach einer Brenndauer von 31 Stunden wurden die ersten Proben gezogen und ergaben zur allgemeinen Freude einen schneeweißen reinen Scherben von höchster Transparenz. Auch in der Folgezeit waren die Produktionsergebnisse recht zufriedenstellend, so dass das Werk wegen der Güte seiner Erzeugnisse von dem Fachausschuss des Verbandes Deutscher Porzellangeschirrfabriken in die Gruppe der Qualitätsbetriebe eingereiht wurde. Mit einer gedrängten Kollektion wurden nun die ersten Verkaufsversuche unternommen, die jedoch – obwohl die Erzeugnisse gute Beurteilung fanden – keinen durchschlagenden Erfolg hatten, da vielfach die Abnahme wegen des ausländischen Charakters des Unternehmens abgelehnt wurde. Im gleichen Jahr 1910 noch wurde die in Regensburg stattgefundene Oberpfälzisch, Kreisausstel- lung für Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie mit einer erweiterten Kollektion von Gebrauchsgeschirr beschickt mit dem Erfolg, dass die Fabrik mit einer Plakette und einem ersten Preis ausgezeichnet wurde. Dieser Erfolg ermutigte zu neuen Hoffnun- gen, die sich dann auch in vermehrten Aufträgen, im Inland ausdrückten. Auch auf dem Exportmarkt konnte Fuß gefasst werden. In Südamerika, besonders in Argen- tinien, fanden sich namhafte Abnehmer der Haviland-Erzeugnisse und in den Vereinigten Staaten wurde das junge Werk durch das New Yorker Verkaufsbüro von Haviland & CO. eingeführt.

Die Ausdehnung des Betriebes und die vermehrte Produktion machten bereits im Jahre 1911 eine Erweiterung der Fabrikräume notwendig, und im gleichen Jahre wurde die Internationale Weltausstellung in Turin mit Erzeugnissen beschickt, die sowohl in Form als auch in Dekoration höchste Anerkennung fanden und mit einem Grand Prix und einen Ehrendiplom ausgezeichnet wurden. Wiederum war man sehr zuversichtlich und die aufstrebende Entwicklung bestätigte die Richtigkeit der in die Zukunft gesetzte Hoffnungen. Da wurde der planmässige Aufbau und der Ausbre- itungsdrang des Werkes jäh durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges unterbrochen. Der grösste Teil der Belegschaft wurde zu den Fahnen gerufen, so dass zunächst nru ein sehr eingeschränkter Fabrikationsbetrieb aufrecht erhalten werden konnte, der dann schliesslich unter dem Zwang der Kriegsverhältnisse völlig zum Erliegen kam. Als ausländischer Besitz wurde die Fabrik unter Staatsaufsicht gestellt und von da an von der Rohstoffzufuhr abgeschnitten. Um jedoch den alten, zurückgebliebenen Werksangehörigen und den Frauen der zum Heeresdienst eingezogenen Familienväter wenigstens eine bescheidene Verdienstmöglichkeit zu bieten, bemühte sich Direktor Dr. Zimmer mit Erfolg um die Beteiligung an kleinen Heereslieferungen in Form der Anfertigung von Geschosskörben.

Nach Beendigung des Krieges konnte die Freigabe des Betriebes erwirkt werden, so dass den Heimkehrern die Rückkehr auf ihre alten Arbeitsplätze ermöglicht wurde. Gross waren aber die Schwierigkeiten, die es zu bewältigen galt. Die nötigen Betrieb- smittel mussten beschafft und neue Absatzgebiete erschlossen werden. Mit dem Gründer der Fabrik, Johann Haviland in Limoges, konnte nach Freigabe des

Postverkehrs mit dem Ausland endlich wieder Verbindung aufgenommen werden. Eine neu durchgearbeitete Kollektion fand bei der Kundschaft lebhaftes Interesse. 1919 starb der Seniorchef der Havilandschen Werke, der Vater von Johann Haviland, im Alter von mehr als 80 Jahren: Erbauseinandersetzungen brachten neue Schwierigkeiten mit sich. Zu allem Unglück kam 1923 die Inflation, die sich hem- mend auf die zielstrebige Entwicklung auswirkte. Trotzdem konnte der Betrieb in vollem Umfang aufrecht erhalten werden, zumal für die neu herausgebrachten Muster in farbiger Masse, Seladon und Rosa, wovon namentlich Letzteres sehr gefragt war, gute Aufträge verlagen. Die Auswirkungen der Inflation sowie der Umstand, dass sich die Erbunstimmigkeiten zwischen Johann Haviland und seinem Bruder George längere Zeit hinzogen, führten schliesslich zu einer Lösung von den fränzöischen Fabriken. In der Person des Geheimrats August Richard, Präsident der angesehenen Societa Ceramica Richard-Ginori in Mailand fand sich ein Interessent, der die Fabrik um den Preis von 1.200.000 Lire übernahm und Ende Februar 1924 mit Rückwirkung vom 1. Januar 1924 eine deutsche Aktiengesellschaft mit dem Sitz in München ins Leben rief. Die Eintragung im Handelsregister beim Amtsgericht München erfolgte am 2. Mai 1924 mit dem Firmennamen Porzellanfabrik Waldershof, Aktiengesellschaft, vormals Johann Haviland. Dabei legte Geheimrat Richard grössten Wert auf den Zusatz „vormals Johann Haviland Bavaria“ und das Recht, die in Waldershof verwendete Fabrikmarke Johann Haviland Bavaria weiter benutzen zu können, ein Beweiss dafür, welch guten Ruf die Erzeugnisse des Waldershofer Werkes damals schon genossen. Mit Johann Haviland konnte hierwegen ein entsprechendes Abkommen getroffen werden.

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Umfirmieren

10.07.1924 – Änderung der Firma aus „Porzellanfabrik Waldershof A.-G.“ in „Porzellan-Fabrik Waldershof, Akt-Ges. vorm. Job. Haviland“ (Sitz in München)

Während der Dauer der Verkaufsverhandlungen trat in dem Betrieb der Walder- shofer Fabrik keine Unterbrechung ein. Die Leitung blieb in den Händen von Dr. Zimmer, der von der neuen Aktiengesellschaft zum Vorstand berufen wurde. Das Werk, das nunmehr über 500 Betriebsangehörige beschäftigte, wurde um ein weiteres Brennhausgebäude mit drei grossen Brennöfen vergrössert, und die erweiterte Produktion ging zum grössten Teil nach Italien. Grossen Anklang fand bei den Kunden die neu aufgenommene Dekoration in Kobalt. Ende der 20er Jahre trat auf dem Weltmarkt eine lang andauernde Krise in der Porzellanindustrie ein, die auch das Haviland Werk Waldershof nicht verschonte. Zu den neu aufgetretenen Schwierigkeiten kam noch ein weiterer schwerer Schicksalsschlag: Der inzwischen mit dem Titel eines Kommerzienrats ausgezeichnete Direktor Dr. Zimmer, dem am
27. Juni 1927 in Anerkennung seiner Hervorragenden Verdienste im Gemeinde und Einwohnerschaft vom Marktrat das Ehrenbürgerrecht von Waldershof verliehen worden war, erlag am 1. Februar 1933 nach mehr als 25jähriger Tätigkeit einem Herzschlag. Durch die tatkräftige Intervention von Commendatore Luigi Merlini in Mailand gelang es, den Schwierigkeiten Herr zu werden und die Krise zu überwinden. Die Leitung der Fabrik wurde von Fritz Truckenbrodt übernommen.

Im Jahre 1937 ging das gesamte Aktienpaket in den Besitz der Rosenthal Porzellan A.G über, und damit war in Verbindung mit der Besserung der allgemeinen Marktlage eine Grundlage für den weiteren Aufstieg der Fabrik geschaffen, der in eine bedeuten- den Steigerung des Umsatzes zum Ausdruck kam. Vom 1. Dezember 1938 ab leitete den Betrieb Rudolf Irrgang. Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, konnte zunächst nur ein beschränkter Produktionsbetrieb aufrecht erhalten werden, da der grösste Teil der männlichen Belegschaft zum Heeresdienst eingezogen wurde. Auf dem Inlands- markt lagen weiterhin Aufträge vor, die durch bedeutende Heeresaufträge verstärkt wurden. Durch Zuweisung von Kriegsgefangenen und späterhin von polnischen Zivilarbeitern konnte den Aufträgen entsprochen werden. Das Werk musste aber auch noch Arbeitsräume für Betriebe zur Verfügung stellen, die aus bombengefährdeten Gegenden verlagert wurden. Trotz dieser erheblichen Raumverminderung konnte noch ein einigermaßen funktionierender Betrieb durchgeführt werden. Ein gütiges Geschick hatte den Markt Waldershof und damit die Porzellanfabrik während des ganzen Krieges von Bombenhagel bewahrt.

In den Mittagsstunden des 20. April 1945 wurde Waldershof kampflos von amerikanischen Truppen besetzt, und damit war der Fabrikation ein Ende gesetzt. Nach dem Einmarsch der Amerikaner waren die Fremdarbeiter Herren der Lage in Fabrikgelände, und namentlich die polnischen Zivilarbeiter fanden in den nicht unerheblichen zum Versand bereitstehenden Fertig- waren reiche Beute. Zum Schlusse musste festgestellt werden, dass alles was nicht niet- und nagelfest war, den Plünderungen zum Opfer gefallen war. Nach der Kapitu- lation zogen die verlagerten Betriebe nach und nach wieder ab und hinterliessen nur leere Räume; von den Einrichtungsgegenständen war nichts mehr vorhanden. Der Betrieb lag still, und nur den Vorstellungen, dass die Fabrik mit amerikanischem Kapital erbaut worden ist, war es zu verdanken, dass die Militärregierung anfangs 1946 die Erlaubnis zur Wiederaufnahme der Fabrikation unter gleichzeitiger Übertra- gung der kommissarischen Leitung an Prokurist Hans Groh erteilte.

Die Wiederinstandsetzung des Betriebes erforderte viel Mühe, fehlte es doch praktisch an allem, nachdem die notwendigen Aufräumungsarbeiten durchgeführt waren. In der Zwischenzeit waren auch ehemalige Werksangehörige aus der Gefan- genschaft zurückgekommen, und es gelang trotz aller Schwierigkeiten den Betrieb einigermaßen in Ordnung zu bringen. Die ersten Aufträge erteilte der US-Quartier- meister und damit waren auch die notwendigen Materialzuweisungen verbunden, deren Heranschaffen sich allerdings wiederum sehr schwierig gestaltete. Naturgemäß fanden die Erzeugnisse reissenden Absatz, so dass die Fabrikation immer mehr Heimkehrer sofort an ihre alten Arbeitsplätze zurückkehren konnten. Die erste Hauptversammlung der Rosenthal Porzellan A.G. im Juni 1947 übertrug den bisheri- gen kommissarischen Leiter Hans Groh zusammen mit dem technischen Leiter Hermann Krug aus Marktredwitz die Direktion des Werkes. Bisher zwangsläufig unterbliebene Instandsetzungen wurden nachgeholt und der Betrieb leistungsfähiger gestaltet. Nach der Währungsreform 1948 brachte die gesteigerte Nachfrage infolge des Nachholbedarfes der Wirtschaft eine stete Aufwärtsentwicklung. Um den immer grösser werdenden Anforderungen an die Produktion gerecht zu werden, wurde in den

Jahren 1954/55 eine moderne Tunnelofenanlage errichtet, der im Jahre 1957 ein weiterer Glattbrandofen angegliedert wurde. Die alten sechs Rundöfen wurden abgebrochen und zu neuen Arbeitsräumen umgestaltet. Die ehemaligen Lager- und Versandräume waren längst nicht mehr ausreichend, so dass ein neues geräumiges Gebäude angebaut werden musste. Heute zählt die Fabrik zu den grössten Werken des Rosenthal Konzerns und gibt nahezu 1000 Belegschaftsmitgliedern Arbeit und Brot. Der Umsatz konnte seit der Übernahme durch Rosenthal mehr als verelffacht werden. Aus den Anfängen im Jahre 1910 hat sich in den fünf Jahrzehnten trotz aller Rückschläge ein bedeutendes Werk unserer heimischen Porzellanindustrie im Grenzland entwickelt, dessen edle Haviland-Erzeugnisse in aller Herren Länder exportiert werden und wegen ihrer Formschönheit und Qualität Weltruf geniessen.

Für die Marktgemeinde Waldershof war das Unternehmen von grösster wirtschaftlicher Bedeutung gewesen. Nicht nur, dass die Porzellanfabrik Waldershof mit Abstand den grössten Steuerträger des Marktes darstellte und damit der gemeindlichen Finanzgebarung einen ausschlaggebenden Rückhalt verleiht hatte, wurde durch die grosse Zahl der Beschäftigten auch Handel und Gewerbe entschei- dend belebt. Dies zeigte sich auch im Gesamtbild des aufstrebenden nunmehr 3000 Einwohner zählenden Marktes. Nach allen Seiten hin hat sich der Ort in den vergan- genen Jahrzehnten ausgebreitet. Die rege Bautätigkeit hielt unvermindert an. Aus den ehemals unbefestigten Ortswegen sind ausnahmslos gepflasterte und mit Teerdecken versehene Strassen mit moderner Neonbeleuchtung geworden. Gut instandgehaltene Häuser säumen die Strassen, und neuzeitliche Verkaufsgeschäfte mit moderner Innenausstattung verleihen den Ortsbild ihr Gepräge. Die Andenken an die Gründer der Fabrik aber hat die dankbare Marktgemeinde durch die Benennung der Hermann- Zimmer-Strasse und der Havilandstrasse wachgehalten.