Niedersalzbrunn: Porzellanfabriken Hermann Ohme & Franz Prause
Die beiden Großunternehmen Krister und Tielsch blieben nicht die einzigen Porzellanfirmen, die von der günstigen Verkehrslage und Rohstoffbasis Waldenburgs profitierten. Im nur wenige Kilometer nördlich gelegenen Niedersalzbrunn, Ortsteil Sorgau, siedelten sich im späten 19. Jahrhundert zwei weitere bedeutende Porzellanfabriken an: Hermann Ohme und Franz Prause.
Porzellanfabrik Hermann Ohme
Hermann Ohme sen. (1841–1921) begann seine Laufbahn als Kaufmannslehrling in Leipzig, bevor er 1881 in Niedersalzbrunn unmittelbar neben dem Bahnhof eine Porzellanfabrik errichtete, die bereits 1882 eröffnet wurde. Möglicherweise wurde er durch seine Heirat mit Anna Dimter, einer Nichte Karl Kristers, dazu angeregt. Technischer Leiter war Ernst Maria Bauer, der 1888 erstmals in Deutschland den Buntdruck mit Schmelzfarben und 1900 mit Scharffeuerfarben einführte.
Die Fabrik wuchs rasch: Anfangs standen zwei Brennöfen, 1886/87 beschäftigte sie 250 Menschen, 1891 bereits 326 und vor dem Ersten Weltkrieg rund 400 Arbeiter. Neben der Produktion unterhielt das Unternehmen soziale Einrichtungen: ein Mädchenheim, Badeanlagen, Beteiligungen an einer Baugenossenschaft und stellte den Arbeitern Land zur Verfügung. Spezialisiert war Ohme auf feines, künstlerisches Gebrauchsporzellan höchster Qualität. Seine Produkte wurden auf Ausstellungen in London (1891) und Breslau (1904) ausgezeichnet und fanden große Absatzmärkte in Übersee, insbesondere den USA.
Die Fabrik verfügte über acht Brennöfen, darunter einen für Kobaltgeschirr. Im Ersten Weltkrieg kam es zu Produktionskürzungen. Nach dem Tod des Gründers 1921 übernahm sein Sohn die Leitung. 1925 wurde die Firma in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Doch die Weltwirtschaftskrise führte 1930 zur Insolvenz der Porzellanfabrik Hermann Ohme K.G..
Porzellanfabrik Franz Prause
1891 gründeten die Kaufleute Julius und Ernst Prause eine Handelsgesellschaft, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu Ohme eine Porzellanfabrik in Betrieb nahm. Benannt wurde sie nach dem verstorbenen Firmengründer Franz Prause. Noch vor dem Ersten Weltkrieg übernahm Georg Prause die Geschäftsführung. 1921 wurde das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen in eine GmbH umgewandelt. Kurz darauf starben die beiden Seniorchefs Julius (1923) und Ernst Prause (1924).
Um 1900 verfügte die Fabrik über fünf Brennöfen sowie eine eigene Malerei und Druckerei. Zunächst beschäftigte sie etwa 140 Personen, die Zahl stieg bis 1927 auf rund 350. Produziert wurde vor allem preisgünstiges Gebrauchsporzellan: Haushalts- und Hotelgeschirr, Keks-, Butter- und Seifendosen, Blumentöpfe, Tassen, Krüge, Türschilder, Grabplatten, Reklameartikel und Küchengarnituren. Etwa 50 % der Produktion gingen vor dem Krieg nach Nordamerika, England, Holland und Ostindien. Nach dem Krieg erholte sich der Export langsam, stieg Ende der 1920er Jahre wieder auf 35 %.
Die Weltwirtschaftskrise bedeutete jedoch auch für dieses Unternehmen das Aus: 1933 musste die Porzellanfabrik Franz Prause GmbH geschlossen werden.
Timeline – Porzellanfabriken Hermann Ohme & Franz Prause
Wichtige Stationen von der Gründung bis zur Schließung