Björn Wiinblad

Porzellanselb

Ein Abriss unserer Porzellangeschichte
Studio Linie Pozzi

Studio Linie Pozzi

Björn Wiinblad

Björn Wiinblad

Wolf Karnagel

Wolf Karnagel

Porzellanselb: Mitten in der Stadt darf das »Weiße Gold« ungestraft mit Füßen getreten werden. Als der Stadtrat von Selb vor gut dreißig Jahren die Weichen für die Gestaltung der Fußgängerzone stellte, leistete er sich einen – andernorts kaum vorstellbaren – Luxus: Zwischen dem Granitpflaster wurden einzelne Ornamente und sogar ganze Gassen mit wetterfesten Porzellansteinen aus heimischer Manufaktur in den Bodenbelag eingelassen. Die einzigartigen Porzellanstrassenschilder kennzeichnen bedeutende Plätze und Institutionen der Stadt Selb. Die Porzellanschilder (13 Stück) wurde überwiegend von Schülern der Staatlichen Fachschule für Produktdesign entworfen.

Die Geschichte der Porzellanindustrie begann in der Region Selb schon zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Doch am Beginn der Karriere zu einem international berühmten Namen, der im gleichen Atemzug wie Meißen oder Nymphenburg genannt wird, stand eine verheerende Katastrophe. Am 18. März 1856 legte ein riesiger Brand 220 Häuser, 408 Nebengebäude und auch die Kirchen in Schutt und Asche, über 3000 Einwohner wurden obdachlos. Schon ein Jahr später 1857 geschah mit dem Bau der ersten Porzellanfabrik durch Lorenz Hutschenreuther in Selb das, was ein Chronist mit beziehungsreichen Worten als »eine Art Feuergeburt« der künftigen Porzellanstadt apostrophierte.

Tatsächlich sorgten die Fabrikanten, namentlich Philipp Rosenthal, dafür, dass neben Arbeit und Wohlstand auch moderne Kunst und Architektur in den seit 1945 zur Randlage verurteilten Winkel im Osten Oberfrankens kamen. Künstler wie Friedensreich Hundertwasser, Otto Piene entwarfen die Aussenfasaden der Rosenthal Hauptverwaltung und Marcello Morandini gestalteten in Selb spektakuläre Fabrikfassaden, und der ungarische Op-Art-Maler Victor Vasarely schmückte mit Hunderten von quadratischen Porzellanreliefs den Sprungturm im städtischen Hallenbad. Eine besondere Beziehung verband den Architekten Walter Gropius mit Selb: Der »Bauhaus«-Gründer plante nicht nur den Neubau der Rosenthal-Fabrik, sondern entwarf auch den Entwicklungsplan der Stadt Selb, den er als »Prototyp der vorausschauenden Planung für Klein- und Mittelstädte ansah. Der Entwicklungsplan für die Stadt Selb wurde 1968 durch Walter Gropius und Leibbrand entworfen. Die besondere Leistung lag in der schöpferischen Idee der Schaffung von Fußgängerbereichen mit der Umschliesslung durch das Leibbrand‘sche Tangenten-dreieck.

Allein im Landkreis Wunsiedel sind in den letzten Jahren mehrere tausend Arbeitsplätze dieser Branche verloren gegangen. So hofft auch Helmut Steib, seit 1992 evangelischer Dekan in Selb, auf eine Wiederentdeckung der Tischkultur und damit auch des Porzellans. Ob von der Erschließung neuer Verkehrswege (für eine Ost-West-Autobahn von der A9 Richtung Tschechien gibt es erste Überlegungen) auch die Wirtschaft profitiert, müsse die Zukunft zeigen, meint der Theologe.

An der Nahtstelle zwischen West und Ost wurden mit einem »alternativen« Filmfestival schon früh künstlerische Brücken geschlagen. Die 1978 gegründeten »Grenzlandfilmtage« wurden so nicht nur zur Plattform für osteuropäische Filmemacher, sondern schufen auch ein Forum für menschliche Begegnungen, die in einem »normalen« Grenzverkehr nicht möglich gewesen wären. Seinen Namen behielt das Festival übrigens auch nach Öffnung des »Eisernen Vorhangs.

Porzellanselb

Mit dieser Webseite möchte ich die Porzellankultur in meiner Heimat wieder lebendig werden lassen. Auf dieser Webseite Porzellanselb bekommen Sie einen Überblick über die Porzellanindustrie der vergangenen 300 Jahren.

Wo einst aus langen Schornsteinen der Porzellanfabriken meterhoch die Flammen in den Himmel schlugen und sich dem Besucher schon von weitem als Visitenkarte ankündigten, ist heute aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs der Porzellanindustrie in Selb nichts mehr zu sehen. Die Rosenthal GmbH ist heute noch die einzige noch produzierende Porzellanfabrik in der einstigen Porzellanstadt Selb. Nach Beendigung des zweiten Weltkriegs erfolgte mit dem Flüchtlingsstrom geradezu eine Bevölkerungs-explosion. Selb wuchs in wenigen Jahren auf eine Einwohnerzahl von über 19.000 Einwohner. Viele Flüchtlinge aus Schlesien und Böhmen fanden in der Porzellanindustrie in Selb neue Arbeit bei den zahlreichen Porzellanfabriken.

Fast 5.000 Flüchtlinge fanden in Selb eine neue Heimat. Hochhäuser, Reihenhäuser und Bungalows entstanden, ein Netz von neuen Strassen wurde angelegt. Das Jahr 1967 ist ein historisches Datum für die Weiterentwicklung der Stadt Selb. Der zunehmende Strassenverkehr bereitete den Stadtvätern dieselben Sorgen wie den Kollegen in mancher Grossstadt: Die Strassen wurden zu eng. Der Selber Stadtrat verabschiedete eine grosszügige und bis zum Jahre 1990 konzipierte Stadt- und Verkehrsplanung. Mit Bauhaus Gründer Prof. Walter Gropius, der die im selben Jahr eröffnete Porzellanfabrik Rosenthal Rotbühl entworfen hatte, konnte für die Stadtplanung einer der wegweisenden grossen Architekten unserer Zeit gewonnen werden. Er schneiderte zusammen mit dem bekannten Verkehrsplaner Prof. Leibbrand der Porzellanstadt ein städtebauliches Maßkleid.

Ziel dieser Planung war eine verkehrsfreie Fussgänger- und Einkaufszone in der Innenstadt, die von einem Tangentendreieck umgegen wird. Erweiterung von Wohngebieten, Innenstadtsanierung und grosszügige Umgehungsstrassen sind die weiteren richtungsweisenden Projektionen dieses Stadtentwicklungs- und Verkehrsplanes. Weitergeführt wurde die Gropius Planung einige Jahre später durch einen stadtebaulichen Ideenwettbewerb.


Weisses Gold in grüner Landschaft – Broschüre der Stadt Selb 1980

Salome Tigermann

Delphine LHS

Schlot Rosenthal

Schlot Rosenthal

HAP Grieshaber

HAP Grieshaber