Carl Tielsch & Co. Altwasser
Wahrscheinlich angeregt durch Kristers Erfolg gründete der Bankkaufmann Carl Ernst Robert Tielsch (1815–1882) im Jahr 1845 zusammen mit dem Breslauer Bankier Gideon von Wallenberg die Porzellanfabrik Carl Tielsch & Co. in Altwasser. Tielsch, Sohn eines Breslauer Oberamtmanns, kam als Waise zu seinem Onkel nach Waldenburg, lernte dort das Kaufmannsgeschäft und stieg schließlich in das Porzellangeschäft ein.
Aufstieg & Expansion
Als Standort wählte Tielsch ein Gelände am geplanten Bahnhof in Altwasser. Die Bahnlinie Breslau–Freiburg war 1843 fertiggestellt, die Verlängerung nach Waldenburg folgte 1853. Unter der Leitung von Carl Bauer begann die Fabrik mit 60 Beschäftigten, bis 1851 verfünffachte sich die Zahl. Mit moderner Technik wie Steinkohlefeuerung und hervorragenden Modelleuren erreichte Tielsch schnell eine hohe Qualität. Bis Mitte der 1860er Jahre wuchs die Belegschaft auf 1.400 Personen. 1865 verfügte das Werk über 28 Brennöfen und sechs Dampfmaschinen, die Jahresproduktion lag bei 500.000 Talern.
Markenzeichen & Marktstellung
Anfangs geriet Tielsch in Konflikt mit der Berliner KPM, weil er deren Adler-Marke imitierte. In den 1850er Jahren führte er eine Taube mit den Initialen TPM (Tielsch Porzellan-Manufaktur) ein, die oft als Adler missverstanden wurde. Ab 1870 nutzte er erneut eine Adlermarke, nun mit den Initialen „CT“, die bis 1945 in verschiedenen Varianten blieb. Tielsch produzierte ein breites Sortiment von Gebrauchsgeschirr bis Luxusartikeln. 1856 erschien ein Katalog mit Services, Vasen und vergoldeten Objekten.
Auszeichnungen & soziales Engagement
Tielsch erhielt zahlreiche Auszeichnungen: 1851 auf der Weltausstellung in London, 1857 in Breslau, 1867 in Paris, 1873 in Wien, 1878 erneut in Breslau, 1880 in Melbourne und 1881 wieder in Breslau. Neben der Porzellanproduktion engagierte sich Tielsch in einer Kohlegrube in Waldenburg und besaß in Meißen eine Anlage zur Gewinnung der Porzellanrohmasse. Wie Krister richtete auch er Unterstützungskassen und Wohlfahrtseinrichtungen ein. 1861 erhielt er den Titel Königlich Preußischer Kommerzienrat.
Nachfolger & technische Innovationen
Nach Tielschs Tod 1882 übernahm sein Sohn Egmont Tielsch (1854–1930) die Fabrik, die unter seiner Leitung weiter expandierte. 1906 wurde der erste Tunnelofen in der Porzellanindustrie gebaut, der die Branddauer erheblich verkürzte. Trotz moderner Technik nutzte das Werk auch weiterhin herkömmliche Rundöfen. Während des Ersten Weltkriegs musste die Produktion auf 60 % gedrosselt werden.
Umwandlung & Fusion
1917 wurde Carl Tielsch & Co. in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Zu den Gründern gehörten Egmont Tielsch, Direktor Georg Faist, der Bankier Arnhold und Hugo Auvera von der Porzellanfabrik C. M. Hutschenreuther AG. 1920 übernahm Hutschenreuther die Aktienmehrheit, Egmont Tielsch trat in den Aufsichtsrat ein. Der Firmensitz wurde nach Dresden verlegt, die Fabrik in Altwasser blieb jedoch eigenständig. Erst in der Weltwirtschaftskrise fusionierten C. M. Hutschenreuther und C. Tielsch.
Nach 1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik von Polen übernommen und mit Hilfe der verbliebenen deutschen Arbeiter wieder in Betrieb genommen. Unter dem Namen Zakłady Porcelany Stołowej Wałbrzych (= Tafelporzellanwerke Waldenburg) arbeitet sie bis heute. Ein Teil der ehemaligen Tielsch-Arbeiter fand in der bayerischen Stammfabrik von Hutschenreuther eine neue Anstellung.
Timeline – Porzellanfabrik Carl Tielsch & Co.
Wichtige Stationen von der Gründung 1845 bis nach 1945