Arnold Konzern – Finanzmacht und Porzellanindustrie
Das Bankhaus Gebr. Arnold in Dresden engagierte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg stark in der keramischen Industrie. 1919 gründete es die Bank für Keramische Industrie, die mit einem Aktienkapital von drei Millionen Reichsmark ausgestattet war. Ihr Ziel war es, das keramische Gewerbe umfassend zu fördern – vor allem durch finanzielle Unterstützung. Aus den Beteiligungen an zahlreichen Unternehmen entstand die sogenannte Interessengemeinschaft Arnold-Konzern, die eine Vielzahl bedeutender Porzellanfabriken in Deutschland und darüber hinaus umfasste.
Porzellanfabriken im Arnold-Konzern
Der Konzern vereinte zahlreiche bedeutende Werke unter seinem Dach:
- C. M. Hutschenreuther AG in Hohenberg mit Werken in Hohenberg, Arzberg und Dresden-Radeberg (seit 1904 Aktiengesellschaft).
- Altrohlauer Porzellanfabriken AG in Böhmen (ursprünglich Moritz Zdekauer, seit 1909 Teil von Hutschenreuther).
- Carl Tielsch & Co. AG in Altwasser (seit 1917 Aktiengesellschaft, später mit Unterweißbach verschmolzen).
- Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst GmbH (gegründet 1919 von der Aeltesten Volkstedter Porzellanfabrik).
- Porzellanfabrik Richard Eckardt & Co. AG in Volkstedt.
- Porzellanfabrik Dressel, Kister & Co. in Passau.
- Steingutfabriken Rudolf Heinz & Co. und S. Bergmann jr. & Co. in Neuhaus.
- Feinsteingutfabrik Max Rößler in Rodach.
- Porzellanfabrik Triptis AG in Thüringen.
Zwei Hauptgruppen
Innerhalb des Arnold-Konzerns bildeten sich zwei eng verbundene Gruppen:
1. Interessengemeinschaft Hutschenreuther–Thielsch: Seit 1921 befanden sich nahezu alle Aktien von Thielsch & Co. im Besitz der C. M. Hutschenreuther AG. Geschäftsführer war ein Direktor aus dem Hause Hutschenreuther. Auch die Porzellanfabrik Altrohlau war eng an diese Gemeinschaft gebunden.
2. Gruppe Aelteste Volkstedter Porzellanfabriken: Hierzu gehörten die Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst, Richard Eckardt & Co., Dressel, Kister & Co. und die Steingutfabrik Bergmann. Diese standen durch Aktientausch und personelle Verflechtungen besonders nah zusammen.
Dresdner Kunstabteilung & Rohstoffsicherung
Der Konzern übernahm auch mehrere Dresdner Porzellanmalereien – Richard Klemm, Donath & Co. und Richard Wehsener – und vereinigte sie zur Dresdner Kunstabteilung der C. M. Hutschenreuther AG. Zudem sicherte sich der Konzern den Zugriff auf Rohstoffe: Kaolinfelder bei Imligau und Altrohlau sowie Anteile an den Börtewitzer Kaolingruben GmbH.
Tunnelofenbau & Technologietransfer
Im Herbst 1921 beteiligte sich der Konzern stark an der Keramischen Tunnelofenbau-Gesellschaft in Saarau. Zusammen mit Thielsch gründete er außerdem die Keramische Rohstoff-Vertriebsgesellschaft. Nach der Liquidation der Tunnelofenbau-Gesellschaft 1923 schloss man ein Abkommen mit der Industrie-Bedarfs-AG Dresden, die den Bau von Tunnelöfen weiterführte und ausbaute. Damit blieb das Know-how dieser Innovation für die gesamte Porzellanindustrie erhalten.
Vertikale Integration
Die vertikale Konzentration des Arnold-Konzerns zeigte sich auch in der Verbindung mit den Kuhnert-Turbo-Werken AG in Meißen, die nun Maschinen für keramische Zwecke herstellten. 1922 gründete die C. M. Hutschenreuther AG zudem mit der Reiniger, Gebbert & Schall AG die Saxonia-Dental-Verkaufsgesellschaft in Berlin, die Dentalprodukte und Zubehör vertrieb.
Zusammenarbeit mit dem Arnhold-Konzern
Parallel zum Arnold-Konzern spielte auch der Arnhold-Konzern eine Schlüsselrolle. Das Bankhaus Gebr. Arnhold (Dresden-Berlin) war tief in die Porzellanindustrie eingebunden und gründete, fusionierte und sanierte zahlreiche Werke. Die Bank für Keramische Industrie fungierte auch hier als Finanzierungsinstitut. Zum Interessenkreis gehörten unter anderem die Gruppen C. M. Hutschenreuther (Geschirrporzellan), Älteste Volkstedter Porzellanfabrik (Zier- und Elektroporzellan) sowie die Deutsche Ton- und Steinzeugwerke (technische Keramik).
Wirtschaftliche Erfolge
Der Konzern verzeichnete in den 1920er Jahren enorme Wachstumsraten. Die Gruppe Hutschenreuther steigerte ihren Umsatz von 5,2 Millionen Mark (1913) auf 11,3 Millionen Reichsmark (1928). Die Zahl der Arbeiter stieg von 2.495 auf 3.204 – ein Zuwachs von 28 %. Der Arnold-Konzern verband damit die Stärkung der Porzellanproduktion mit einer umfassenden vertikalen Integration in Rohstoffgewinnung, Maschinenbau, Porzellanmalerei und Vertrieb.
Fazit
Der Arnold-Konzern war weit mehr als ein Zusammenschluss von Porzellanfabriken. Er war ein komplexes Netzwerk aus Produktion, Rohstoffgewinnung, Maschinenbau, Design, Vertrieb und Finanzwesen. Mit seiner vertikalen Struktur und den starken Bankverbindungen prägte er die deutsche und internationale Porzellanindustrie der Zwischenkriegszeit entscheidend. Noch heute steht sein Name für die enge Verflechtung von Industrie und Finanzwesen in der Porzellanwelt.
Timeline – Arnold Konzern
Wichtige Stationen in der Entwicklung des Arnold-Konzerns
Timeline – Entwicklung des Arnold Konzerns
Chronologische Entwicklung 1887–1939 (nach Lange, P. 1984)