Porzellanmanufaktur Gotha

In Weimar wurden ganz schrecklich viel Tassen zerbrochen, die Fabrick in Gotha arbeitet sich beyhnahe lahm alles das wieder in integrum zu restituiren – schrieb Friedrich Heinrich Himmel (1765-1814) in einem Brief vom 29. Januar 1807 an die Schauspielerin und zeitweilige Geliebte Herzog Carl-Augusts von Sachsen-Weimar- Eisenach, Caroline Jagemann (1777-1848)2. Der berühmte Berliner Komponist und Kapellmeister weilte zu dieser Zeit am Gothaer Hof. Sein Gastgeber, der kunstsinnige Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg (1772-1822), galt als eine der „geistvollsten und interessantesten, aber auch wunderlichsten und zerfahrensten Persönlichkeiten, die jemals auf einem Thron gesessen haben“.3 Dieser wiederum war ein gern gesehener Gast nicht nur am Weimarer Hof, sondern auch in den Kün- stlerkreisen der benachbarten Residenzstadt. Bei einer Gesellschaft im Hause Caroline Jagemanns war ein kostbares Porzellanservice zu Bruch gegangen und der anwesende Gothaer Herzog sagte großzügig Ersatz aus seiner eigenen „Porcellain Fabrique“ zu.

Noch vor Antritt seiner Regierung hatte August im Jahr 1802 die Gothaer Porzellanmanufaktur erworben. Das erfolgreiche Unternehmen war bereits 1757 von dem Gothaer Hofbeamten Wilhelm von Rotberg (1718-1795) als erste Porzellanmanufaktur auf thüringischem Boden gegründet worden. Nachdem die Manufaktur in den ersten fünfzehn Jahren ihres Bestehens wohl aufgrund der nur unzureichenden Kenntnis des vollen Arkanums mit großen Schwierigkeiten gekämpft und die Produktion eher experimentellen Charakter hatte, war es Wilhelm von Rotberg im Jahr 1772 gelungen, drei künstlerisch gut ausgebildete und erfahrene „Porzelliner“ als Mitarbeiter zu gewinnen: die Maler Christian Schultz (geb. 1752 ?) und Johann Georg Gabel (1740-1810) sowie den Modelleur Johann Adam Brehm (gest. 1813). Während Schultz seine Ausbildung in der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin genossen hatte, waren Gabel und Brehm zuvor in der Manufaktur Kloster Veilsdorf im benach- barten Herzogtum Sachsen-Hildburghausen tätig gewesen. Zeitgenössische Quellen schreiben Christian Schultz die in der Mitte der 1770er Jahre gelungene Vervollkommnung von Masse und Glasur des Gothaer Porzellans zu. Zudem soll Schultz gemeinsam mit Gabel, einem Schüler Johann Heinrich Tischbeins d. Ä. (1722-1789), „die Mahlerei“ in der Gothaer Manufaktur „etabliert“ haben

Porzellan Ankauf

 

Wir kaufen auch Porzellan aus den 50 und 70iger Jahren

Rosenthal Jugendstil | Art Deco | Studio Linie

Rosenthal limitierte Kunstreihen | ausgefallene Stücke

Rosenthal Kurt Wendler Objekte

Rosenthal Wirkkala | Colani | Baumann | Morandini

 

Unter Augusts Vater, Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1745-1804), wurde Wilhelm von Rotberg zum Präsidenten der Herzoglichen Kammer ernannt, zog sich von der Leitung der Manufaktur zurück und schloss 1782 mit fünf seiner künstlerischen Mitarbeiter sowie dem erfolgreichen Gothaer Kaufmann Ernst Friedrich Arnoldi (1747-1824) einen Pachtvertrag ab. Die Pächter bildeten daraufhin ein Konsortium, wobei Christian Schultz die Leitung der Produktion übernahm und Arnoldi für Warenlager und Vertrieb zuständig war. Mit der Übernahme der Manufaktur durch das Konsortium begann die Blütezeit des Gothaer Porzellans, das sich gegen Ende der 1780er Jahre in der Qualität seiner Masse und Glasur wie auch der Bemalung kaum noch von Meißener oder Berliner Stücken der Zeit unterschied. Nach dem Tode Wilhelm von Rotbergs im Jahr 1795 erneuerte dessen Witwe den Pachtver- trag mit dem Konsortium. Aus einem Schreiben der Frau von Rotberg an Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg geht hervor, dass die Produkte der Manufaktur zu diesem Zeitpunkt „so vielen Beyfall, besonders im Auslande (…) gefunden haben, daß würcklich alljährlich 6000 rthl. Fremdes Geld dadurch ins Land gezogen und 35 Personen ihr auslänglicher Unterhalt verschaffet wird.“

„Man hat jetzt Porzellanfabriken in vielen Gegenden Deutschlands; allein viele derselben liefern mehr Fayence als Porzellan, können neben Dresden, Berlin, Wien, Fürstenberg nicht genannt werden. Eine Ausnahme macht Gotha. Die Vorsteher der Fabrik lassen sich angelegen sein, durch neue Raffinierungen oder feine Wahl guter Kopien ihrer Fabrik immer mehr Mannigfaltigkeit zu geben. Das macht ihre Produkte notwendig beliebter und bekannter.“

Trotz dieser guten Kritik im „Journal des Luxus und der Moden“, entschloss sich die Witwe und Erbin des Manufakturgründers Wilhelm von Rotberg zum Verkauf des florierenden Unternehmens. Die Zusage ihres verstorbenen Mannes, den Pächtern und Konsortiumsmitgliedern ein Vorkaufsrecht einzuräumen, ignorierte sie und veräußerte das Unternehmen für die stattliche Summe von 12.212 Reichstalern und 12 Groschen an den Gothaer Erbprinzen.