Porzellanmanufaktur Rörstrand

Rörstrand wurde 1726 in der damals gleichnamigen Ortschaft gegründet, dem heutigen Stockholmer Stadtteil Birkastan. Eine Tochtergesellschaft mit Namen Arabia wurde im Jahr 1873 in Finnland gegründet, um den Handel mit Russland zu er- möglichen. 1881 begann Rörstrand mit der Herstellung von Feldspatporzellan, dem Porzellantyp, der dem ursprünglichen aus China am ähnlichsten ist. 1914 erwarb Rörstrand Göteborgs porslinsfabrik. 1926 siedelte Rörstrand nach Göteborg über und die Fabrik in Stockholm wurde abgerissen (die ehemalige Porzellanhalde ist als Nationaldenkmal erhalten, die Koordinaten zeigen auf diesen Punkt). 1936 zog Rörstrand nach Lidköping, das ab 1939 Hauptsitz der Firma ist.

1963 wurde Rörstrand Teil des Upsala-Ekeby-Konzerns. 1984 kaufte der finnische Konzern Wärtsilä Rörstrand und drei Jahre später auch Gustavsbergs Porzellanfabrik. 1990 übernahm der finnische Hackman-Konzern und ab 2000 heißt die Firma Designor Oy Ab. Heute ist Rörstrand Teil der Iittala Group mit Sitz in Höganäs (Schweden). Da in Schweden nur mit Verlusten produziert wurde, verlegte Iittala die Produktion zum Jahresbeginn 2006 nach Sri Lanka und Ungarn. Mit der gleichzeiti- gen Schließung der Fabrik in Lidköping/Schweden endete somit auch die fast 280- jährige Geschichte des schwedischen Traditionsunternehmens Rörstrand.

Was heute noch übrig ist am Ursprungsplatz der Fabrik in Stockholm, ist eine Porzellanhalde bestehend aus aussortiertem und zerbrochenem Porzellan. Die Halde steht unter Denkmalschutz. Designer Rörstrand Ferdinand Boberg, (* 11. April 1860 in Falun; † 7. Mai 1946 in Stockholm) war schwedischer Architekt. Ferdinand Boberg war einer der bekanntesten und produktivsten Architekten Schwedens um die Jahrhundertwende 1900. Boberg war der führende Vertreter der Moderne und trug wesentlich zur Verbreitung des Jugendstils in Schweden bei. Von 1897 bis 1915 war er der führende Architekt für große Ausstellungen (Stockholmer Ausstellung 1897 und 1909, Baltische Ausstellung in Malmö 1914 u. a.) Außerdem zeichnete Boberg verantwortlich für die schwedische Pavillons bei den Weltausstellungen in Paris 1900 (Éxposition Universelle et Internationale), St. Louis 1904 (Louisiana Purchase Exposition), San Francisco 1915 (The 1915 Panama- Pacific Exposition) u.a.

Nach dem ersten Weltkrieg bekam er weniger Aufträge, sein Stil war veraltet und in Schweden galt nun der Klassizismus der 1920er Jahre als modern. Während dieser Zeit beschäftigte Boberg sich damit, durch Schweden zu reisen und ältere, hauptsächlich ländliche Bauten zu dokumentieren. Ferdinand Boberg war nicht nur Architekt, sondern arbeitete auch als Designer, vor allem für Möbel, Keramik (u. a. für die Manufaktur Rörstrand) und Glas (für Kosta und Reijmyre). Nils Tove Edward Hald (* 17. September 1883 in Stockholm; † 4. Juli 1980, ebenda) war ein schwedischer Maler, Grafiker und Glaskünstler.

Edward Hald studierte an der Handelshochschule in Leipzig und widmete sich auch Architekturstudien. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er bei Henri Matisse in Paris. Zunächst arbeitete Hald bei der Manufaktur Rörstrand, wo er Geschirr entwarf und entscheidend am Erfolg der Firma bei der Heimausstellung 1917 in Stockholm beteiligt war.

Im Jahr 1917 kam er zur Glashütte Orrefors, wo er sowohl Kunstglas als auch Gebrauchsglas entwarf. Zusammen mit seinem gleichaltrigen Kollegen Simon Gate und dem Glasbläser Knut Bergqvist entwickelte er das so genannte Graalglas (graal vom lateinischen gradalis, Pokal). Hierbei wird mehrschichtiges Glas in unter- schiedlichen Farben nach der Kühlung durch Gravieren, Schleifen oder Sandstrahlen weiterbearbeitet, wodurch farbige Muster und Reliefs entstehen. Danach wird das Glas erneut erwärmt und bekommt eine zusätzliche Schicht Klarglas. Schließlich wird es in seine endgültige Form geblasen. Graal ist ein von Orrefors eingetragenes Warenzeichen.

Seinen internationalen Durchbruch erzielte Edward Hald zusammen mit Simon Gate und der Glashütte Orrefors auf der Weltausstellung in Paris 1925, „L´Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“. Die vielen zierlichen und graziösen Arbeiten schwedischer Künstler dieser Zeit führten zum Begriff Swedish grace, der schwedischen Variante der Art Déco.

Ein Beispiel für Halds graziöse, elegante und Matisse-inspirierte Glaskunst war der Pokal „Ballspielende Mädchen“ (Bollspelande flickor) von 1919 und die „Feuerw- erkschale“ (Fyrverkeriskålen) von 1921. Edward Hals Meisterwerk und Höhepunkt seiner Karriere war jedoch der „Himmelsglobus“ (Himmelsgloben), ein 53 cm hoher Glasglobus mit gravierten Sternbildern, der für die Stockholmer Ausstellung 1930 geschaffen wurde, heute zu sehen im Nationalmuseum in Stockholm. Im Schatten der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre übernahm Hald die Führung von Orrefors (1933–1944). Er war dabei zu einem Balanceakt zwischen ökonomischen und künstlerischen Interessen gezwungen. Bis 1978 war er künstlerischer Leiter des Unternehmens.

Signe Persson-Melin interessierte sich schon früh für das Töpfern. Sie brach ihren Schulgang ab um in einer kleinen Firma in Lomma, in der Nähe von Malmö, Krüge zu drehen. Sie erhielt ihre Ausbildung Ende der 1940er Jahre in Kopenhagen und an der Kunsthochschule Konstfack in Stockholm. Signe Persson-Melin erlangte ihren Durchbruch auf der Ausstellung H55 (Helsing- borgmesse für Wohnen, Kunst und Design 1955) mit Gewürztöpfchen in Ton und weißer Zinnglasur, als Deckel diente ein kräftiger Korken und ein deutlicher Schriftzug erklärte den Inhalt. Das war frech und neu und kam direkt beim Publikum an. Während der 1950er und 1960er Jahre machte sie sich einen Namen durch ihre rustikale Gebrauchskeramik in einfachen und funktionellen Formen, sowie Kannen und Schüsseln aus Steingut. Während der 1970er Jahre schuf sie diverse Glasprodukte für die Firma BodaNova, beispielsweise eine Teekanne mit Korkgriff und dazu passendem Glasstövchen. Diese Kanne wurde weltweit plagiiert. Weiterhin hatte sie Aufträge für Höganäs Keramik, Kosta Boda und Rörstrand.

Persson-Melin hat auch mehrere große öffentliche künstlerische Ausschmückun- gen ausgeführt, so z. B. in der U-Bahnstation T-Centralen in Stockholm, zusammen mit Anders Österlin (1956-57) und Nya Folkets Hus in Stockholm mit Anders Liljefors (1959-60). Ihre Formsprache in Keramik ließ sich auch direkt auf Zinn überführen, wie die elegante Teekanne in Zinn für die Firma Svenskt Tenn (2004).

Während der Jahre 1985-90 und 1993-94 war sie Professor an der Kunsthochschule konstfack in Stockholm. 2002 bekam sie den Kulturpreis der Region Skåne (Interessenverband Region Schonen) dotiert mit 100.000 Kronen und 2003 erhielt sie ein Keramikstipendium von Gustavsberg. Seit 1955 ist sie mit dem Grafiker John Melin verheiratet und seit 1998 hat sie ein eigenes Studio in Malmö.