Porzellanfachschule Selb

Heinz Mostetzky

Als Dipl.-Phys. Heinz Mostetzky die Nachfolge als neuer Fachschuldirektor antrat, widmete er seine ganze Kraft der fachlichen Erweiterung der Ingenieurausbildung auf dem Gebiet der Gesamtkeramik, die schon durch neue Lehrkräfte in den Jahren zuvor in Angriff genommen worden war. In verstärktem Maße wurden Abschlußarbeiten mit Hilfe der Industrie oder direkt in den Betrieben durchgeführt. Diese erfreuliche Entwicklung wurde jedoch bald durch die allgemeine Änderung im Ingenieur-Schulwesen gestört. Die Anerkennung des bewährten, praxisorientierten Polytechnikumingenieurs im EG-Raum und damit die Freizügigkeit der Niederlassung wurden in Frage gestellt. In Folge dessen wurden die Fachhochschulen neu gegründet. Auch die Selber Ingenieur-Abteilung wurde zur Fachhochschulabteilung und damit in ihrer Existenz gefährdet. Alle Versuche, die Ingenieurabteilung in Selb zu halten, scheiterten. 1973 wurde die FH-Abteilung an die FH-Nürnberg verlegt und schloß sich unter der Leitung von Prof. (FH) Dr. Heinz Mostetzky mit den entsprechenden Abteilungen aus Zwiesel (Glas) und Landshut (Ziegel) zu einem neuen Fachbereich “Werkstofftechnik der NA Werkstoffe” zusammen.

In Selb verblieben als dürftiger Rest die Werkkunst-Abteilung, deren Schülerzahl während der Wirren um die FH-Abteilung auf ein klägliches Minimum abgesunken war und die 1971 gegründete, auch noch nicht recht lebensfähige dreisemestrige Technikerschule. Abgesehen von den kriegsbedingten Stagnationen war somit ein absoluter Tiefpunkt in der Geschichte der Staatlichen Fachschule für Porzellan erreicht. Die Schulleitung übernahm Dr. Robert Harth.

Entscheidend für einen neuen Aufschwung war einmal die Gründung der Staatlichen Berufsschule für keramische Berufe, in der alle keramischen Ausbildungsberufe aus ganz Bayern im Blockunterricht beschult wurden, durch das Kultusministerium und den Landkreis Wunsiedel i.F., der als Schulaufwandsträger ohne Zögern sich zur Verfügung stellte. Zusätzlich wurden die Schülerzahlen der Staatlichen Fachschule ftir Porzellan und der schon 1974 auf vier Semester erweiterten Keramtechnikerschule durch eine mit aller Anstrengung durchgeführte Werbeaktion in Form von überregionalen Presse- mitteilungen, Ausstellungen, Informationen sämtlicher Beratungsstellen der Arbeitsämter und andere Maßnahmen innerhalb weniger Jahre wieder gesteigert. Für den Bereich der Staatlichen Fachschule für Porzellan mußten schon ab 1977 wegen der Vielzahl der Bewerber Aufnahmeprüfungen eingeführt werden. Diese intensiven “Rettungsaktionen” für die Fachschule konnten nur durch vorbehaltslose Zusammenarbeit des Verbandes der Keramischen Industrie e. V. und verschiedener Finnen mit der Schulleitung realisiert werden.

Mit dem 1. August 1975 ist in Selb offiziell das Staatliche Berufsbildungszentrum für Keramik unter einheitlicher Leitung entstanden. Es umfaßt neben der 1909 gegründeten Stammschule – der Staatlichen Fachschule für Porzellan -, die Staatliche Fachschule für Keramtechnik und die Staatliche Berufsschule II für keramische Berufe, an der außer den keramischen Ausbildungsberufen inzwischen auch ein Schwerpunkt für Laborberufe wie Baustoffprüfer, Werkstoffprüfer, Stoffprüfer, Physik- und Chemielaboranten geschaffen wurde. Nachdem der Landkreis Wunsiedel 1977 auch den sächlichen Schulaufwand für die beiden Fachschulen übernommen hatte, ergab sich an Hand der bis heute stetig steigenden Schülerzahlen der Staatlichen BS II und der Staatlichen Fachschule für Porzellan sehr bald die Notwendigkeit von baulichen Erweiterungen. Am I. März 1984 konnte der 1. Erweiterungsbau eingeweiht werden, dem noch zusätzliche Laborgebäude und Umbaumaßnahmen in den Altbauten folgten. Durch die engagierte und großzügige Hilfe der zuständigen staatlichen Institutionen und des Landkreises Wunsiedel, der im Bereich des beruflichen Schulwesens sehr große Anstrengungen unternommen hat, konnte so eine traditionsreiche, national und international renommierte Schule nicht nur zu einem neuen Aufschwung gebracht, sondern auch durch die Einbettung in die schulische Organisationsform des Berufsbildungszentrums, einer gesicherten Zukunft zugeführt werden.

Literaturverzeichnis:

  • Bohrer Hermann, Selb – Eine Kirchen- und Heimatkunde. Verlag des Evangelischen Gemeindeblattes Kirchenlamitz-Selb, Sitz Selb; 1930
  • Festschrift 75 Jahre Staatliche Fachschule für Porzellan. Staatliches Berufsbildungszentrum für Keramik Selb. Herausgeber Verein der Freunde des Johann- Friedrich-Böttger-lnstituts e. V. Selb und Staatliches Berufsbildungszentrum für Keramik, Selb 1984
  • Heinrich Helmut. Artikel Friedrich Wilhelm Hagen im Heimatkalender für Fichtelgebirge und Frankenwald; 1977

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