Porzellanfachschule Selb

Endlich waren somit auch die schulischen Einrichtungen geschaffen, die für die Ausbildung des so dringend benötigten qualifizierten Nachwuchses für die Porzellanindustrie Voraussetzung waren. Der Staatlich geprüfte Porzellanmodelleur bzw. Porzellanmaler als Absolvent der Fachschule für Porzellanindustrie wurde zu einem wertvollen Mitarbeiter in der Industrie. Die große Zahl der Fachschulabsolventen, die teilweise in den höchsten leitenden Stellen der Porzellanindustrie aufsteigen konnten, waren nachträglich ein stolzer Beleg für die Richtigkeit der anfänglich umstrittenen Gründung dieser Schule. Voraussetzungen für diese langfristigen Erfolge waren aber auch die großen Leistungen von Prof. Klee und seinen qualifizierten Lehrern. Entsprechend der Situation in der damaligen Industrie, die durch wenig neue und eigene Entwürfe bei Formgebung und Dekoration, sondern durch marktorientierte, gut verkäufliche Imitationen gekennzeichnet war, forderte er frühzeitig, daß „Künstler herangebildet werden, die soviel technische und wirtschaftliche Vorbildung in diesem Industrie-Zweig haben, daß sie befähigt sind, geschmackvolle, technisch ausführbare und auch gut verkäufliche Erzeugnisse herauszubringen.“

Hochinteressant ist auch seine damalige Feststellung, daß „außenstehende Künstler“ zwar neue originelle Ideen brächten, die aber einerseits an den Möglichkeiten der Fabrikationstechnik ungenügend orientiert seien und daß andererseits die Künstler zu erhaben seien, um auch auf die Wünsche der kaufmännischen Abteilung Rücksicht zu nehmen. Diese bemerkenswerte Erkenntnis klingt ja heute noch im Zeitalter der teamwork zwischen Künstler, ausführendem Handwerker, Techniker und Kaufmann vielen Praktikern nicht ganz fremd. Auch manche seiner eigenen und seiner Lehrer Arbeiten fanden Eingang in die Produktionsprogramme verschiedener Porzellanfabriken. Prof. Klee war bis 1939 Direktor der Fachschule.

Fritz Klee verlässt die Schule

Als er nach 31 Jahren auf eigenen Wunsch frühzeitig Selb verließ, geschah dies mit einer gewissen Resignation, die diesen Mann liberaler Gesinnung in den letzten Jahren seiner Tätigkeit aus verschiedenen Gründen erfaßt hatte. In den folgenden Jahrzehnten riß der Kontakt zwischen Schule und ihm fast vollkommen ab. Glücklicherweise konnte in seinen letzten Lebensjahren, bevor er kurz nach seinem 100. Geburtstag 1976 starb, wieder eine freundliche Verbindung mit der Schulleitung hergestellt werden. Deswegen war auch das 75-jährige Jubiläum der Fachschule Anlaß und Verpflichtung, dieser wichtigen Persönlichkeit in einer Prof. Fritz Klee – Ausstellung besonders zu gedenken.

Rudolf Lunghard

Zum Nachfolger wurde 1939 Direktor Rudolf Lunghard berufen, der bereits damals 13 Jahre Lehrtätigkeit an der keramischen Abteilung der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Stuttgart aufweisen konnte. Obwohl seiner Neigung und Ausbildung nach vornehmlich dem kreativen Teil des Fachgebietes verbunden, war es sein Verdienst, sehr bald weitblickend die Notwendigkeit einer Anpassung der Ausbildungsmöglichkeiten an der Staatlichen Fachschule für Porzellan an die zunehmende Technisierung und Mechanisierung der Produktionsabläufe in der keramischen Industrie zu erkennen und diese vorzunehmen.

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